31.07.2020 09:59

Schmerzerkrankungen nehmen zu

Verstärkung für Team der Multimodalen Schmerzmedizin


Rund 20 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen – Tendenz steigend. Schmerzerkrankungen des Bewegungsapparates und des Nervensystems nehmen kontinuierlich zu. Vor dem Hintergrund dieser Ent–wicklung wurde das Team der Multimodalen Schmerzmedizin am Evangelischen Krankenhaus in Herne-Eickel im April um zwei weitere Expertinnen verstärkt. Zu der leitenden Oberärztin Dr. Katja Vogelsang und der psychologischen Psychotherapeutin Dr. Anne Linkemann hinzugekommen sind die leitende Oberärztin und Schmerztherapeutin Daniela Wagner und die psychologische Psychotherapeutin Irina Rohde. Die Multimodale Schmerzmedizin ist integraler Bestandteil der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Eckhard Müller.

Patienten, die für eine Multimodale Schmerzmedizin in Frage kommen, müssen oft hören, sie seien „austherapiert“. Medikamente führen nicht mehr zu der gewünschten Verbesserung, schlimmstenfalls werden die Betroffenen mit Sätzen konfrontiert, wie „stellen Sie sich mal nicht so an“. Doch damit erhöht sich nur der Leidensdruck der Menschen. Umso wichtiger ist es für sie, dass man sich intensiv mit ihnen und ihren Beschwerden auseinandersetzt. Dies geschieht im Rahmen der Multimodalen Schmerzmedizin am EvK Herne während eines 9- bis 12-tägigen stationären Aufenthalts. In dieser Zeit werden die Patienten von einem Team betreut, das sich aus verschiedenen Berufsgruppen zusammensetzt: Medizin, Pflege, Physio- und Ergotherapie sowie Psychotherapie.

Dieser ganzheitliche Ansatz nimmt nicht nur die körperlichen Veränderungen ins Visier, welche die Schmerzen ursprünglich verursacht haben, sondern bezieht den ganzen Menschen mit sämtlichen körperlichen, psychischen und sozialen Aspekten mit ein. „Ein Schmerz, der über einen langen Zeitraum auf einem Menschen lastet, löst eine Veränderung in seinem Körper, seinem Denken und seinem Empfinden aus“, erklärt Psychotherapeutin Irina Rohde. Eine psychologische Anamnese mit ihr gehört deshalb auch zum vorstationären Patientengespräch.

Wichtigste Voraussetzung für einen Behandlungserfolg ist die Bereitschaft des Betroffenen, an dem Prozess mitzuwirken. „Nur dann kann auch eine Veränderung stattfinden“, betont Daniela Wagner. Selbst wenn die Schmerzen nicht völlig verschwinden, lernt der Patient doch, sein Leben wieder aktiv zu gestalten und dadurch ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen.
Diese aktive Mitwirkung kann für die Betroffenen durchaus anstrengend sein. Denn neben praktischen Übungen in den Bereichen Physio- und Ergotherapie, findet auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche statt. Denn in den Jahren des Leidens sind oftmals feste Verhaltensmuster entstanden, die schwer zu verändern sind.  „Da kann es auch schon mal sinnvoll sein, die Angehörigen in die Gespräche miteinzubeziehen“, sagt Psychotherapeutin Irina Rohde.





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