12.09.2019 13:42

Ältere Patienten brauchen Spezial-Konzepte

Mediziner plädieren für mehr Sensibilität bei Therapie


Dr. Uwe Knierim, Dr. Jürgen Jahn, Dr. Holger Gespers und Prof. Dr. Santiago Ewig (v.l.)

Ältere Patienten bedürfen spezieller Behandlungs-Konzepte. Da waren sich alle Experten einig, die sich beim Fachsymposium Altersmedizin im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel getroffen hatten. Im Mittelpunkt standen die Gesundheitsthemen Herzschwäche, Lungenentzündung, Delir, Diabetes mellitus und Multimedikation im Alter. Eingeladen hatte Dr. Holger Gespers, Chefarzt der EvK-Klinik Innere Medizin und Altersmedizin.

Die Behandlung von Herzschwäche bei älteren Patienten sollte durch eine sehr vorsichtige Dosierung der entsprechenden Herzmedikamente bestimmt sein. Dies betonte Dr. Jürgen Jahn, Kardiologe und Chefarzt der EvK-Klinik für Innere Medizin und Altersmedizin.  Dazu wies er eindringlich darauf hin, dass betroffene Patienten sehr engmaschig, d.h. 14-tägig überwacht werden müssen, um ggf. Korrekturen in der Medikamentengabe vorzunehmen, damit der Organismus nicht überfordert wird.

Eine Pneumonie, d.h. eine Lungenentzündung, macht sich bei älteren Patienten meist anders bemerkbar als bei jungen, nämlich durch Bewusstseinseintrübung. Deshalb muss das Umfeld besonders sensibel sein, erklärte Prof. Dr. Santiago Ewig, Chefarzt der EvK-Klinik für Pneumologie und Infektiologie. Ein hohes Maß an Sensibilität erfordere der Umgang mit Antibiotika. Diese machen aus Sicht des Lungenexperten meist mehr Probleme als sie lösen. Das gelte gerade für ältere Menschen.

Auch ein Delir ist beim älteren Patienten nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Das berichtete Dr. Uwe Knierim, leitender Arzt der EvK-Gerontopsychiatrie. Denn Delir bedeutet nicht immer ein hyperaktives bis aggressives Verhalten, sondern kann sich auch durch ausgeprägte Apathie bemerkbar machen. Dr. Knierim zeigte auf, wie umfangreich die Liste der Ursachen für ein Delir ist. Ein Faktor unter vielen sei dabei die extrem hohe Anzahl von Medikamenten, die manche älteren Patienten einnehmen.

Genau wie der Gerontopsychiater so warnte auch Dr. Holger Gespers als Internist und Geriater vor der Multimedikation im Alter. Aus seiner Sicht ist es angeraten, wo immer es geht, Medikamentengaben zu vermeiden, um den labileren Organismus des älteren Patienten nicht zu überfordern. Weniger ist mehr, lautete seine Devise. Zu gefährlich seien oftmals die Wechselwirkungen. Als weitere häufig im Alter auftretende Krankheit war der Diabetes mellitus Thema des Symposiums. Dr. Thomas Reinhold, Chefarzt Innere Medizin und Geriatrie am Klinikum Dortmund, stellte heraus, dass die Medikation dem Alter angepasst werden müsse. Allzu komplexe Behandlungsstrategien seien oft für ältere Patienten nicht geeignet. Wichtig sei die Vermeidung von Unterzuckerung.






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