12.02.2016 13:30

Snoezelen hält Einzug im Klinikalltag

EvK entwickelt neues Pflege-Konzept für Demenzbetroffene


Das Snoezelen ist ein neues Betreuungsangebot im EvK, das alle Sinne des Menschen anspricht.

Demenzbetroffene, die wegen einer akuten Erkrankung in einer Klinik behandelt werden müssen, erleben den hektischen Klinikalltag als eine beängstigende Welt, zu der sie keinen rationalen Zugang haben. Im vergangenen Jahr wurden allein im EvK Herne 828 desorientierte Patienten behandelt, die neben  einer akuten Erkrankung eine Desorientierung aufwiesen. Da diese Zahl in nächster Zukunft kontinuierlich steigen wird, hat die Pflege der Ev. Krankenhausgemeinschaft ein umfassendes Konzept entwickelt, das dementen Patienten einen angstfreien Klinikaufenthalt ermöglichen soll. Dazu gehört ein völlig neues Betreuungsangebot, das bislang noch in keiner anderen Klinik in der Region eingesetzt wird: das Snoezelen.

Beim Snoezelen werden durch Reize, wie Licht, Geräusche oder Geschmack die Sinne der dementen Patienten angesprochen, um so ein positives Gefühl bei ihnen auszulösen und die Ängste in der unbekannten Umgebung zu nehmen. Eingesetzt wird es von Betreuungsassistenten, einer neuen Berufsgruppe, die im Rahmen des Demenz-Konzepts im EvK im Einsatz ist. Weitere Bausteine des Konzepts sind speziell ausgebildete Demenzbeauftragte, die für alle anderen Mitarbeitenden auf den Stationen eine Beratungsfunktion haben und auch vor Ort helfen, wenn sich besondere Fragen im Umgang mit dementen Patienten stellen.

„Eines unserer wichtigsten Instrumente ist jedoch unser Informationsbogen, den wir bei der Aufnahme an die Angehörigen dementer Patienten aushändigen“, sagt Beate Schlüter-Rickert, Pflegedirektorin der Ev. Krankenhausgemeinschaft Herne | Castrop-Rauxel. Hier werden detailliert Lebensgewohnheiten des betroffenen Patienten erfragt von Essensvorlieben über bevorzugte Schlafpositionen bis hin zu den Dingen, die ihn ängstigen oder freuen.
Von der Zentralküche wurde im Rahmen des Demenz-Konzepts ein spezieller Speiseplan entwickelt, der viele Gerichte in Form von Fingerfood anbietet, um dem Patienten ein Gefühl von Selbständigkeit zu vermitteln.

Um eine beruhigende Wirkung auf desorientierte Patienten auszuüben, setzt die Pflege auch spezielle Waschungen und Aromatherapien ein. „Zuwendung ist im Grunde genommen das, was desorientierte Menschen am meisten brauchen“, stellt die Pflegedirektorin fest. Zusätzliche Hilfsmittel wie Stoppersocken oder Niedrigbetten dienen der Sturzprophylaxe, da diese Klientel meist auch noch besonders sturzgefährdet ist. Eine Raumgestaltung mit großformatigen Hinweisen z.B. an der WC-Tür im Krankenzimmer dient der besseren Orientierung.

Aber auch die Angehörigen dementer Patienten erfahren eine besondere Unterstützung. Pflegefachberaterinnen zeigen bereits während des stationären Aufenthaltes oder auch in der ersten Zeit nach der Rückkehr ins häuliche Umfeld, wie der demente Patient am besten angesprochen und versorgt werden kann. Dazu veranstalten sie regelmäßig kostenlose Kurse für Angehörige, die zu Hause einen dementen Menschen betreuen, und bieten außerdem einen Gesprächskreis an, der sich einmal im Monat im EvK trifft.

Kontakt:
Ev. Krankenhausgemeinschaft
Pflegedirektion
02323.498-2101
b.schlueter-rickert@evkhg-herne.de