25.01.2016 13:49

Neue Therapien bei Lungenkrebs

Experten präsentieren Innovationen beim 8. Thoraxsymposium


Lungenkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten Krebsarten. Das 8. Thoraxsymposium, das vom Thoraxzentrum Ruhrgebiet mit Sitz am Evangelischen Krankenhaus Herne und Augusta Kranken-Anstalt Bochum veranstaltet wurde, setzte sich mit grundlegenden Veränderungen der Lungenkrebstherapie auseinander, die eine deutliche Verbesserung für die Patienten bedeuten. Rund 150 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet waren zu der Experten-Tagung gekommen, um sich zu informieren.

Eine wesentliche Neuerung betrifft den Bereich der Medikamententherapie. Inzwischen gibt es Präparate, bei denen die Patienten genetisch ausgetestet werden, um festzustellen, welches Medikament für sie passt. Mit diesen Präparaten, die jedoch noch nicht für jeden Betroffenen geeignet sind, ist die Überlebenschance doppelt so hoch wie bei einer Behandlung mit Chemotherapie. „Da wir beobachten, dass inzwischen fast monatlich neue Medikamente auf den Markt kommen, können wir prophezeien, dass es in fünf Jahren kaum noch Chemotherapie mit all ihren belastenden Nebenwirkungen mehr geben wird“, sagt Dr. Erich Hecker, Leiter des Thoraxzentrums Ruhrgebiet und Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Herne.

Eine ähnlich beeindruckende Entwicklung hat auch die Thoraxchirurgie zu verzeichnen, wenn es um die Therapie des Lungenkrebs geht. In den 50er Jahren wurde bei einem bösartigen Lungentumor der komplette Lungenflügel amputiert. Seit den 70er Jahren wird nur noch der betroffene Lungenlappen entnommen und seit den 2000er Jahren wird – wenn irgendwie möglich - lediglich ein Segment aus dem Lappen entfernt. „Da wir heute in der Lage sind, Tumoren in immer früheren Stadien zu erkennen, können wir bei unseren endoskopischen Eingriffen immer schonender vorgehen“, erklärt Dr. Hecker. Die von ihm geleitete Klinik gehört in Hinblick  auf die Anzahl der endoskopischen Eingriffe im Bereich der Thoraxchirurgie zu den führenden Kliniken in Deutschland.

Deutliche Fortschritte sind auch in der Strahlentherapie zu verzeichnen. Durch die sogenannte stereotaktische Bestrahlung, eine technisch sehr aufwändige Sonderform der Bestrahlung, können inzwischen viele Operationen, besonders bei kleineren Tumoren, vermieden werden. Dabei wird ein relativ kleiner, klar gegen benachbartes gesundes Gewebe abgrenzbarer Tumor hoch dosiert bestrahlt.

Sämtliche neue Therapiemaßnahmen, die bei der Tagung vorgestellt wurden, werden auch an den beiden Standorten der Thoraxzentrums Ruhrgebiet in Herne und Bochum angeboten. Im vergangenen Jahr wurden im Thoraxzentrum Ruhrgebiet insgesamt 8.000 stationäre und 13.300 ambulante Patienten behandelt. Damit gehört die mehrfach zertifizierte Einrichtung zu den bedeutendsten Lungenkrebszentren in Deutschland.