29.08.2017 09:46

Ein positiver Schock fürs Leben

Chef-Kardiologe setzt Spezial-Defibrillator ein


Chefarzt Dr. Ali Halboos

Reguläre Defibrillatoren-Systeme sind mit Elektroden ausgestattet, die bis ins Herz eingeführt werden. Das System, das Chef-Kardiologe Dr. Ali Halboos jetzt neu am Evangelischen Krankenhaus Herne seinen Herzpatienten implantiert, lässt das Herz unberührt.  „Damit senken wir nicht nur das Infektionsrisiko sondern auch andere Komplikationen, wie z.B. eine Perforation des Herzmuskels“, sagt Chefarzt Dr. Halboos. Bei dem subkutanen ICD-System wird das Aggregat, welches etwas größer als eine Streichholzschachtel ist, mit dem Impulsgeber auf der linken Seite der Brust neben dem Brustkorb eingesetzt und die Elektrode unmittelbar unter der Haut über dem Brustbein.

Bei herkömmlichen Defibrillatoren sieht das Verfahren so aus, dass die Impulsgeber in der Höhe des Schlüsselbeins implantiert und eine oder mehrere Elektroden, je nach Krankheitsbild, durch eine Vene bis ins Herz über die Herzklappe vorgeschoben werden. „Dieses Verfahren macht Sinn für Patienten, die beispielsweise eine zusätzliche Schrittmacherindikation haben oder spezielle Herzrhythmusstörungen, die der Defibrillator mit zusätzlichen Impulsen behandeln und beenden kann, noch bevor er einen Schock abgibt“, erläutert der Chefarzt der Kardiologie am EvK.

Da die Kabel eines Herzschrittmachers einer starken Belastung ausgesetzt sind – pro Minute findet 80-mal eine Kontraktion statt – halten sie in der Regel  ca. 15 Jahre. Benötigt ein junger Patient einen Defibrillator, muss er damit rechnen, dass die Elektroden während seiner Lebenszeit mindestens einmal, vielleicht auch zweimal ausgetauscht werden müssen. Dabei handelt es sich zwar um einen Routine-Eingriff, aber er bedeutet trotzdem ein erneutes Infektions- oder auch anderes Komplikationsrisiko für den Patienten. Mit dem neuen Verfahren werden diese Risiken nahezu ausgeschaltet.

Da sich das neue System jedoch nicht für alle Patienten gleich eignet, findet im Vorfeld eine sorgfältige Diagnostik und Abwägung statt. „Die endgültige Entscheidung fällen wir im gemeinsamen Gespräch mit dem Patienten“, betont Dr. Ali Halboos.

Defibrillatoren werden bei Menschen mit anomalem Herzrhythmusstörungen implantiert, um einem plötzlichen Herzstillstand vorzubeugen. Das Gefährliche ist, dass der Patient nicht spürt, dass sich ein solcher Herzstillstand ankündigt. Wird dieser aber nicht sofort durch einen Schock behandelt, führt er zum Tod.


Kontakt:
EvK Herne
Klinik für Innere Medizin/Kardiologie
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